Ohne Wurzeln keine Flügel

Verbände 08. 03. 2013
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Von Dr. Malte-Matthias Zimmer

Eines der wohl am meisten verwendeten Worte dieser Tage ist Innovation. Innovation erscheint als ein Allheilmittel in so ziemlich jedem Zusammenhang. Von der Innovation wird geredet, wenn die IST-Situation nicht befriedigt. Dann wird nach Innovation, innovativem Denken oder auch Innovationsförderung gerufen. Tritt die Verbesserung dann nicht ein, wird schnell die Innovationsfeindlichkeit bemüht – denn es ginge ja besser, wenn man nur wolle. In der Regel sind es immer andere, die da offenbar nur nicht wollen.

Innovation beschreibt die Erneuerung (da stammt das Wort jedenfalls her, von lateinisch: innovare = erneuern). Mittlerweile ist schon jede Idee eine Innovation, wenn sie nur irgendwie ins eigene Weltbild passt. Eine Erneuerung ist jedoch weitgehender als einfach nur eine Idee – sie setzt die reale Umsetzung voraus, und zwar nicht nur beispielhaft, sondern in weiter Verbreitung; eine Innovation durchdringt ihr Zielgebiet!

Erneuerung setzt aber trivialerweise noch etwas anderes voraus, denn erneuerbar ist nur etwas, das bereits vorhanden ist!

Die Oberflächentechnik ist zweifelsohne bereits vorhanden und mit ihr die Verchromung, die ebenso zweifelsfrei eine hohe Durchdringung ihres Zielgebietes erreicht hat. Dabei handelt es sich um nichts weniger als weite Teile der täglichen Erfahrung. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass die Verchromung seit Jahrzehnten zur Basis, zu den Wurzeln technischen Fortschritts gehört.

Durch die Chemikalienverordnung REACh sind die Rufe nach Innovation lauter geworden. Und gerade bei der Verchromung gibt es eine verwirrende Anzahl derer, die sich berufen fühlen, auf diese Rufe zu antworten, und sei es nur, die mangelnde Bereitschaft zur Verwendung der ach so vielen bereitstehenden Innovationen zur Substitution anzuprangern.

Welches Interesse auch immer hinter den oft unsubstantiierten Rufen und Appellen stecken mag. Den meisten ist gemein, dass sie lediglich Teile der anstehenden Aufgabe zur Verbreitung einer so genannten Alternativlösung betrachten – vorzugsweise natürlich jene, in denen die Eignung als Innovation scheinbar deutlich zu Tage tritt. Werden die Neuerungen jedoch genauer betrachtet, so ergeben sich meist andere Erkenntnisse – nämlich dann, wenn man sich mit den Verwendungen etwas intensiver auseinandersetzt.

Als erstes Beispiel soll eine klassische funktionale Anwendung dienen. Hier wird in der Regel mit der oft als Haupteigenschaft angesehenen Härte argumentiert. Es ist auch unzweifelhaft, dass andere Schichttypen vergleichbare und auch deutlich höhere Werte erreichen, oft wird auch von der Chromschicht selbst nur eine geringere Härte erwartet. Sofort wird von Innovation gesprochen und der Möglichkeit, den Ersatz zu erreichen. Doch wenn die funktionale Anwendung auf der Kolbenstange beispielsweise eines Stoßdämpfers eines (vielleicht innovativen?) Automobils stattfindet, sollten weitere Eigenschaften nicht vergessen werden: Geringe Reibwerte und geringer Abrieb sind bei einem derart vielbewegten Bauteil sicher von Bedeutung – ansonsten führt jedes Wippen schnell zum Quietschen. Die anti-adhäsiven und wasserabweisenden Eigenschaften des Chroms sind gerade zur Winterzeit nicht zu vernachlässigen, da ansonsten die korrosiven Medien von der Straße schnell zur Verkürzung der Lebenszeit führen. Dies sind nur zwei Aspekte, die zu einer äußerst bemerkenswerten, aber auch mittlerweile als selbstverständlich geltenden Lebensdauer von mehreren Jahren führen.

Ein zweites Beispiel liegt uns persönlich noch näher. Chrom ist ein wesentliches Element für Design und optische Erscheinung. Nahezu jeder von uns stellt dies beim täglichen Betreten des Bades fest. Die glänzenden Oberflächen strahlen Sauberkeit und Hygiene aus. Natürlich erreichen auch andere Beschichtungen einen gewissen Glanz. Doch leitet sich daraus sofort eine Innovation ab, eine Substitutionsmöglichkeit? Unbeachtet bleibt oft, dass viele Eigenschaften unbewusst erwartet werden, ohne explizit ausgesprochen zu werden. So kommt der Wasserhahn durchaus nicht selten mit Substanzen in Berührung, die im feuchten Medium extrem korrosiv wirksam werden können: Seifen, Salze (wie Kalk) oder Reinigungsmittel, um nur einige wenige zu nennen. Gerade letztere wirken durch Beimengungen von Poliermitteln oft noch abrasiv; zumal der Reinigungsvorgang selten sanft von statten geht. Kratzfestigkeit ist Voraussetzung für den langlebigen Glanz (die Lebensdauer eines Wasserhahns übersteigt diejenige eines Stoßdämpfers durchaus deutlich). Zu guter Letzt fließt durch den verchromten Wasserhahn auch noch Trinkwasser (die Schicht muss somit eine hohe Bioverträglichkeit aufweisen) und das anti-adhäsive Verhalten erschwert den Verbleib bakterienfördernder Rückstände ohne weitere Maßnahmen.

Chrom und seine galvanische Abscheidung gehören zu den so genannten etablierten, manchmal etwas abwertend traditionell genannten Technologien. Sie sind nicht chic, sie verrichten ihren millionenfachen Einsatz ohne die Aufmerksamkeit der innovationshungrigen Sicherheits- und Umwelt-Populisten. Es wird oft der Anschein erweckt, die Innovationen seien die Grundlage der Technologie und des Fortschritts. Doch kein High-Tech-Produkt, keine Innovation wird eine Funktion erfüllen, ohne dass die überwiegenden Bestandteile auf die so verachtete herkömmliche Weise hergestellt wurden. Und die Werkzeuge zu seiner Herstellung ebenso.

Innovationen sind die Flügel der Technologie, doch ihre Umsetzung wurzelt in Technologien, die früher Innovation genannt worden wären, die ihr Zielgebiet bereits durchdrungen und ihren Nutzen millionenfach unter Beweis gestellt haben.

Es ist riskant und gefährlich, derartige Errungenschaften leichtfertig in Frage zu stellen. Es ist problematisch, wenn hier Einschätzungen vorgenommen werden, die entweder von unzureichender Kenntnis oder singulären Interessen gelenkt werden. Einseitige Beurteilung und eingeschränkte Blickwinkel führen dann sehr schnell dazu, dass hochfliegende Ideen ihre Flügel verlieren und hart abstürzen.

Empfehlungen und Entscheidungen, wie sie durch REACh beschleunigt und gelenkt werden sollen, müssen auf nachprüfbaren, allgemein gültigen Fakten beruhen: Wirtschaftlich, technisch und risikobezogen. Selbstüberschätzung, Leichtfertigkeit, bürokratischer Zentralismus und ideologisch bestimmtes Handeln können schnell dazu führen, dass wir alle verlieren – zumindest aber fast alle.

Eupoc GmbH
Schloßblick 14, D-87748 Fellheim

 

Nachruf zum Tod von Werner Nordhaus

Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden, wenn sich ein Mensch, der uns ein Stück des Weges begleitet hat, für immer verabschiedet. Die Nachricht vom Ableben von Werner Nordhaus am 11. Februar 2013 traf uns alle schmerzlich und hat uns tief bewegt. Er verstarb im Alter von 69 Jahren.

Wir werden Werner Nordhaus in Erinnerung behalten als visionären Qualitätsverfechter, als Gründungsvater des Zentralverbandes Oberflächentechnik e. V., als langjähriges Vorstandsmitglied und Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik e. V. sowie als Vorsitzenden der Gütegemeinschaft Galvanotechnik e. V. Wir werden ihn vor allem auch in Erinnerung behalten als den Mann, dem die Galvano- und Oberflächentechnik sehr viel zu verdanken hat.

Werner Nordhaus war nie ein Mitläufer, seine Devise war: Nur wer im Führerhaus sitzt, kann selber steuern und die Richtung mitbestimmen. Er war der Motor der erfolgreichen Entwicklung von Unternehmen wie AHC und Betz-Chrom. Als Chef war er bei Kollegen, Kunden und Lieferanten gleichermaßen beliebt.

Er war der Mann, der frei nach dem Motto Messen ist Wissen in der Galvanotechnik den Begriff der messbaren Qualität prägte. Für diesen damals neuen Qualitätsbegriff hat Werner Nordhaus mit einer ihm eigenen Beharrlichkeit Zeit seines Berufslebens geworben.

Mit seiner unternehmerischen Kompetenz,­ seiner Erfahrung und seinem fachlichen Wissen hat er für unsere Branche neue Impulse gesetzt und dazu beigetragen, Forschung und Praxis zu einer Einheit zu formen und unsere Branche zu einer gemeinsamen Sprache zu beflügeln.

Werner Nordhaus war auch der Mann, der den DGO-Jahrestagungen die soziale und die gesellschaftliche Note verlieh. Der Saal hielt den Atem an, wenn er auf der Trompete mit sehr viel Gefühl den Mitternachts-Blues spielte. Überhaupt war Musik seine große Leidenschaft: ob Trompete, Saxophon oder Gesang – stets war das Publikum ergriffen.

Beharrlich, durchsetzungsstark, entscheidungsfreudig, kompetent, visionär – so durften wir Werner Nordhaus in vielen Jahren der Verbandsarbeit kennen und schätzen lernen. Trotz seiner schweren Erkrankung hat er bis zuletzt am Verbandsleben teilgenommen.

Wir werden Werner Nordhaus aber noch mehr als Menschen vermissen. Sein Engagement, sein verantwortungsvolles Wirken und seine menschliche Wärme werden uns immer ein Vorbild sein. Unser Mitgefühl gilt seiner Frau und seiner Familie.

Der Mitternachtsblues – er ist für immer verklungen.

DGO-BG Thüringen

Den Auftakt für das erste Treffen der DGO-Bezirksgruppe Thüringen in diesem Jahr bildeten die Vorträge von Dr. Michael Geitner und Rolf Pofalla. Michael Geitner informierte die zahlreich erschienenen Fachkollegen über das Umweltforum in Witten-Herdecke, Rolf Pofalla referierte über Möglichkeiten der dekorativen, dreiwertigen Verchromung.­

Dr. Michael Geitner, Geschäftsführer der Metallveredlung Neuhaus GmbH, gab einen­ kurzen Abriss über die auf dem Umwelt­forum angebotenen Vorträge. Er sprach dabei folgende Schwerpunkte konkret an:

  • Industrieemission-Richtlinien und ­deren Umsetzung
  • Umsetzung der VAUwS-Verordnung mit Angabe von Beispielen,
  • Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen
  • Prüfung von Galvanikanlagen als Sonderform einer elektrischen Anlage sowie den Explosionsschutz.

Michael Geitner verwies auf die Notwendigkeit der Sichtung des umfangreichen Materials.

Im zweiten Vortrag stellte Rolf Pofalla, Technical Marketing Specialist der Firma Enthone GmbH in Langenfeld, einige Chrom(III)­elektrolyte, ihre Schichteigenschaften, Nachbehandlungsmöglichkeiten und die Anforderungen an diese Schichtsysteme vorrangig für Automobilteile vor.

Ausgehend von der bisher üblichen dekorativen Verchromung aus Chrom(VI)elektrolyten sind Chrom(III)elektrolyte (Handelsname TRILYTE®) auf Chlorid- und Sulfatbasis möglich, wobei besonders für Chloridelek­trolyte Eisen als Katalysator erforderlich ist. Beide Chrom(III)elektrolyte zeigen unterschiedliche Eigenschaften und benötigen verschiedene Anoden.

Mit Chloridelektrolyten lassen sich deutlich höhere Abscheidungsgeschwindigkeiten bis zu 0,3 µ/min erreichen, wobei die Neigung zur Rissbildung mit wachsender Schichtdicke zunimmt. Sulfatelektrolyte weisen dagegen eine gute Schichtdickenverteilung auf. Durch Zugabe von Schwefelverbindungen lässt sich die Farbe der aus dreiwertigem Chrom abgeschieden Schichten beeinflussen. Die Chrom(III)elektrolyte erfordern eine regelmäßige Reinigung mit Ionenaustauschern, damit der Fremdionenanteil von Nickel, Kupfer, Zink und Eisen im ppm-Bereich bleibt. Die abgeschiedenen Chromschichten können hinsichtlich ihrer Zusammensetzung, Farbe und ihres Korrosionsverhaltens untersucht werden. Für die Automobilindustrie sind die beiden letztgenannten Eigenschaften wichtig. Deshalb werden sie meist der CASS/NSS- oder Russian Mud-Prüfung unterzogen.

Rolf Pofalla stellte sehr anschaulich einen Vergleich der Chrom(VI)- mit den Chrom(III)­elektrolyten, ihre Stärken und Schwächen vor. Dabei verwies er auf die unbedingt notwendige korrosionsschützende Nachbehandlung von Schichten, die aus Chrom(III)­elektrolyten abgeschieden wurden. Eine chrom(VI)haltige kathodische Nachbehandlung (Passivierung) erwies sich bisher als optimal, wobei für dieses Verfahren die REACh-Termine zu beachten sind. Einige Grafiken zeigten Ergebnisse von Korrosionstests mit und ohne Nachbehandlung.

Abschließend stellte Pofalla einen Ringversuch vor, der die Leistungsfähigkeit existierender Chrom(III)verfahren hinsichtlich Schichtsystem, Korrosionsverhalten und Farbgestaltung (Tendenz zu hellem Chrom), untersuchte, damit die unterschiedlichen Anforderungen der Automobilhersteller erfüllt werden können.

Im Anschluss an den Vortrag erfolgte eine angeregte Diskussion zu Fragen wie

  • Borsäuregehalt und Arbeitstemperatur, Gefahr der Auskristallisation
  • Stromausbeutevergleich: Chrom(III) niedriger als Chrom(VI)
  • Belastbarkeit der Anoden: für die Chrom(III)abscheidung maximal 5 A/dm2
  • Art der Eisenzugabe: als Fe(II), das aber im Elektrolyten zu Fe(III) oxidiert wird
  • zu hoher Eisengehalt im Elektrolyten: fördert die Korrosion
  • optimale Chromschichtdicke: 0,3 µm, maximal 1 µm, aber Qualität schlecht

Nach der umfangreichen und lebhaften Diskussion dankte der Bezirksgruppenleiter Jens Heinze den beiden Referenten Dr. Michael Geitner und Rolf Pofalla. Er wünschte allen Teilnehmern noch einen guten Start ins Jahr 2013 und weiterhin eine aktive Teilnahme an den DGO-­Veranstaltungen.
-Dr. Kutzschbach-

DWA e. V. (DWA)

DWA-Publikationsverzeichnis erschienen

Das Publikationsverzeichnis 2013 der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. ist ab sofort kostenlos erhältlich. Es kann unter info@dwa.de angefordert werden. Außerdem steht es auf www.dwa.de zum Download bereit.

Auf 96 Seiten werden das aktuelle DWA-Regelwerk, die Fachbücher und digitale Medien vorgestellt. Die thematische Gliederung und die Kurzübersicht tragen dazu bei, die veröffentlichten Arbeitsergebnisse der DWA-Fachgremien schnell aufzufinden. Außerdem enthält das Verzeichnis eine Vorschau auf die zu erwartenden Neuerscheinungen. Nahezu alle DWA-Publikationen sind auch als E-Book im PDF-Format verfügbar. Mit 23 Neuerscheinungen, von denen 19 bereits vorhandene ältere Ausgaben ersetzen, ist das DWA-Regelwerk fortgeführt und aktualisiert worden. Es umfasst derzeit rund 300 Arbeits- und Merkblätter.

DWA-Branchenführer 2013 erschienen

Eine umfassende Datenquelle für Dienstleistungen und Produkte zu den Themen Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall ist der jährlich erscheinende Branchenführer der DWA, Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. Das aktuelle Adressbuch mit Angaben zu Herstellern und Dienstleistern aus den Arbeitsbereichen der Vereinigung ist für 2013 neu erschienen und in Buchform kostenlos erhältlich. Zudem wurde die digitale Fassung im Internet aktualisiert: www.gfa-news.de, dort Branchenführer.



Der knapp 420 Seiten starke DWA-Branchen­führer 2013 bietet schnell und übersichtlich wertvolle Hilfe bei der Suche­ nach dem gewünschten Hersteller oder Dienstleister. Der Branchenführer umfasst unter anderem die Bereiche Planung, Ausschreibung, Bauüberwachung; Bau, Anlagenbau; Pumpwerke, Abwasserbehandlung; Schlammbehandlung und -entsorgung; Wasseraufbereitung; Mess-, Regel-, Steuerungs- und Prüfgeräte; Antriebe, Motoren; Behandlung besonderer Abwässer aus Industrie und Gewerbe; Abfallwirtschaft/Entsorgungstechnik; Betrieb, Wartung, Reparatur.

Sowohl das Inhalts- als auch das umfang­reiche Stichwortverzeichnis sind zusätzlich in den Sprachen Englisch und Französisch abgedruckt.



GFA, Rita Theus
Theodor-Heuss-Allee 17, D-53773 Hennef
 E-Mail: branchenfuehrer@dwa.de



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