Risikooo – dieses Motto einer der ersten Quizshows aus den 1970er bis 1990er Jahren des deutschen Fernsehens ist sicher nicht überall angebracht. Angebracht ist indessen, sich über den Begriff Risiko ernsthaft Gedanken zu machen, um ihn auch im Rahmen von REACh sinnvoll einzusetzen beziehungsweise abzuschätzen.
Formal ist Risiko die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses multipliziert mit seinen Folgen – die Folgen sind als negativ, schädlich, unangenehm oder ähnliches zu betrachten. Sind die Folgen positiv, so spricht man dagegen von Chance.
Diese Betrachtung mag formal klingen, sie hat aber wesentliche Bedeutung. Während im Englischen eine klare Unterscheidung zwischen hazard und risk besteht, müssen wir uns im Deutschen etwas mehr bemühen. Die Gefahr, die von einem Gegenstand oder Sachverhalt ausgeht, betrachten wir im deutschen Sprachgebrauch bereits als Risiko. Besser wäre die exaktere Beschreibung des potentiellen Risikos. Denn die Tatsache, dass eine Gefahr besteht, heißt nicht, dass sie auch eintritt. Viele Dinge sind gefährlich: Chemikalien, Autos, Flugzeuge, Medikamente, Bergwanderungen, Tauchgänge, Schnee und Eis, selbst Nahrungsmittel, man denke an alkoholische Getränke. Vieles davon benutzen wir ganz selbstverständlich oder nehmen es als gegeben hin. Wir gehen einfach davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit, die von den Dingen ausgehende Gefahr am eigenen Leibe zu spüren, so gering ist, dass wir sie nicht fürchten. Es wird schon nichts passieren!
Vielleicht hängt diese Eigenschaft davon ab, wie gut wir die Dinge kennen oder wie sehr wir an sie gewöhnt sind. Bei Chemikalien ist das in der Regel nicht so. Ungeachtet der Tatsache, dass wir in einer chemischen Welt leben – dass es eine andere gar nicht gibt – ist eine Chemikalie sofort etwas Furchteinflößendes, etwas, das wir misstrauisch zu beäugen haben. Etwas Unbekanntes, Bedrohliches. Und diese diffuse Besorgnis, bis hin zur Angst, lässt das potentielle Risiko so dominant werden. Wir können es nicht einschätzen.
Ein Flugzeugabsturz mit 250 Todesopfern? Naja, passiert halt selten, ich fliege morgen trotzdem wieder.
Substituierte aromatische Substanzen? Hier wird fast jedermann vorsichtig. Dennoch greift man meist bedenkenlos zur Kopfschmerztablette, in der sich Acetylsalicylsäure befindet – ein Mitglied dieser Stoffgruppe. Und diese Verwendung soll einer einschlägigen Untersuchung zufolge in den USA immerhin geschätzte 16 500 Todesfälle jährlich verursachen.
Allgemein ist das potentielle Risiko von chemischen Substanzen recht gut untersucht oder zumindest untersuchbar. Anders steht es mit dem realen Risiko, da die Eintrittswahrscheinlichkeit eines negativen Effekts nicht einfach zu bestimmen ist. Die Gründe sind einerseits, dass oft sehr wenige Fälle beobachtbar sind und andererseits meist viele verschiedenartige Einflüsse simultan einwirken (Beispiel: Einflüsse von Raucherverhalten und Chemikalienwirkung).
Liegen eindeutige toxikologische Ergebnisse vor, die aussagen, ab welcher Einwirkung beziehungsweise Exposition keine negativen Auswirkungen mehr eintreten können, wird es verhältnismäßig leicht, Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitssicherheit und des Umweltschutzes zu definieren. Dieses no-effect-level (DNEL) kann als Grenzwert vorgeschrieben werden.
Doch was, wenn solche Werte nicht abgeleitet werden können? Wenn die negativen Auswirkungen bei jeder Exposition auftreten können – nur eben mit geringerer Wahrscheinlichkeit? Naiv könnte man sagen: Dann muss man eben darauf verzichten, den Stoff weiter zu verwenden; dann geht von ihr keine Gefahr mehr aus! Diese Schlussfolgerung ist logisch richtig. Doch sie berücksichtigt nicht die Folgen. Ein einfaches Beispiel zeigt, wie wenig zweckmäßig eine solche Grundeinstellung sein kann: Ein einzelnes Auto kann tödlich sein, unabhängig vom allgemein herrschenden Verkehr. Niemand kommt deswegen auf den Gedanken, Autos grundsätzlich abzuschaffen.
Das Autobeispiel verdeutlicht aber noch mehr. Niemand käme auf den in REACh verwirklichten Gedanken, jeden Autofahrer nachweisen zu lassen, dass die von ihm verursachte Erhöhung des allgemeinen Risikos für Mensch und Umwelt sozioökonomisch überwogen wird. Es gäbe wohl kaum mehr Privatfahrten! Stattdessen gibt es allgemeingültige Regelungen, deren Einhaltung überprüft wird (durch Verkehrspolizei, Ordnungsämter, Radarfallen). Außerdem muss jeder Anwender (eines Fahrzeugs) nachweisen, dass er befähigt ist, sie einzuhalten – dazu gibt es einen Führerschein.
Der sozioökonomische Ansatz zur Zulassung oder zur Verweigerung einer Zulassung verursacht noch einen weiteren fragwürdigen Aspekt. Es wäre der Bevölkerung wohl kaum zu vermitteln, dass das ihnen zugemutete, akzeptierte Risiko davon abhängt, wo man wohnt oder sich bewegt. In sozioökonomisch wenig leistungsfähigen Gegenden würde der Mensch vor dem Auto geschützt, in wirtschaftlich starken Ballungsräumen würden höhere Risiken für den Einzelnen akzeptiert. Genau dies soll nach REACh im Produktionsbereich aber geschehen. Von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hängt ab, ob der Arbeitnehmer und die Umwelt schutzwürdig sind oder nicht, ob eine Zulassung zur Verwendung erteilt wird oder nicht. Dieses Menschenbild sollte Europa doch längst überwunden haben.
Die Unversehrtheit der eigenen Person ist ein Recht, dass für alle Bürger gleichermaßen gilt. Daher müssen akzeptierte Risiken allgemeingültig sein. Sie können die Menschen nicht unterschiedlich behandeln oder gar bewerten gemäß der von ihnen erwirkten wirtschaftliche Leistung. Daher bedarf es allgemeingültiger Regeln und Grenzen, die die Gesellschaft sich gibt. Und wer hat sie zu formulieren? Die Repräsentanten der Gesellschaft! Exekutive und Legislative sowie ihre ausführenden Organe haben die Entscheidung zu treffen, welches maximale Risiko für jeden Menschen akzeptabel sein soll und unter welchen Bedingungen. Es ist ihre Aufgabe. Sie müssen die Verantwortung übernehmen, sowohl für die Menschen und die Umwelt, als auch für die wirtschaftlichen Auswirkungen. Dabei sollten sie sich von einem Gedanken leiten lassen, der Bertrand Russel (1872–1970) zugeschrieben wird: Das größte Risiko auf Erden laufen die Menschen, die nie das kleinste Risiko eingehen wollen!
Kontakt: Eupoc GmbH,
Schloßblick 14, D-87748 Fellheim
Verein Deutscher Ingenieure e.V.VDI
Ungeheuer neuer VDI-Präsident
Prof. Dr.-Ing. Udo Ungeheuer ist neuer Präsident des VDI, Verein Deutscher Ingenieure e. V. Ungeheuer wurde am 21. November 2012 von der Vorstandsversammlung des VDI einstimmig zum Präsidenten gewählt. Der 62-jährige Vorstandsvorsitzende der Mainzer Schott AG tritt sein Amt zum 1. Januar 2013 an. Erster Gratulant war VDI-Direktor Dr.-Ing. Willi Fuchs.
Ungeheuer schloss sein Maschinenbaustudium an der RWTH Aachen 1979 als Diplomingenieur ab. Bereits seit 1977 ist Ungeheuer Mitglied des VDI. 1985 promovierte er zum Dr.-Ing., 2006 wurde er zum Honorarprofessor der Fachhochschule Mainz bestellt. Zunächst als Geschäftsführender Oberingenieur an der RWTH Aachen tätig, wechselte Ungeheuer 1986 zum Autohersteller BMW, bevor er 1994 als Mitglied in die Konzernleitung der Schott AG eintrat. Ein Jahr später wurde er in den Vorstand des Unternehmens berufen. Seit 2004 ist Ungeheuer Vorstandsvorsitzender des internationalen Spezialglasherstellers.
Neben seinen Mandaten als Aufsichtsratsvorsitzender beziehungsweise Aufsichtsratmitglied mehrerer Schott-Tochtergesellschaften ist er Präsident des Bundesverbandes Glasindustrie e. V. (BV Glas), Vorsitzender Beirat Mitte der Deutschen Bank, Mitglied des Beirates der Rheinland-Pfalz Bank, Mitglied des Beirates der Coface Deutschland und Mitglied im Landeskuratorium Rheinland-Pfalz/Saarland des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.
Prof. Dr.-Ing. Bruno O. Braun wird zum 31. Dezember 2012 nach sechs Jahren als VDI-Präsident satzungsgemäß ausscheiden. Die Vorstandsversammlung bedankte sich bei Prof. Braun für seine langjährige und erfolgreiche Arbeit.
Neue Richtlinie VDI 3405 Blatt 1 – Rapid Manufacturing mit Kunststoffbauteilen in der Praxis
Viele Unternehmen zögern noch immer, additive Verfahren in der Produktion einzusetzen, da die Möglichkeiten dieses Fertigungsverfahrens nicht bekannt sind. Die neue Richtlinie VDI 3405 Blatt 1 der VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik gibt den Unternehmen nun eine wichtige Orientierungshilfe.
Vor rund einem Jahrzehnt wurde die Technologie der additiven (generativen) Fertigung unter dem Namen Rapid Prototyping bekannt. Mittlerweile erreichen die additiv gefertigten Bauteile mechanische Festigkeiten und eine Oberflächengüte, die den direkten Einsatz als verkaufsfähiges Produkt ermöglichen. Der Übergang vom Rapid Prototyping zum Rapid Manufacturing eröffnet den Anwendern dieser Technologie neue Freiheitsgrade. So kann beispielsweise die Marktakzeptanz neuer Produkte in Kleinserien erprobt werden, ohne dass spezielle Werkzeuge für die Herstellung der Bauteile gefertigt werden müssen. Das Fertigungsverfahren ermöglicht zudem die Realisierung von Bauteilgeometrien, die mit anderen Verfahren nicht oder nur mit erheblichem Aufwand realisiert werden können.
In der Richtlinie VDI 3405 Blatt 1 sind die wesentlichen Gesichtspunkte zusammengestellt, die bei der additiven Fertigung von Kunststoffbauteilen von Bedeutung sind. Dazu gehört die Prüfung des Ausgangswerkstoffs, die Inline-Prozessüberwachung und die Prüfung der generierten Bauteileigenschaften anhand von Probekörpern. Sie beinhaltet ebenfalls Hinweise zu Qualitätsstandards und Folgeprozessen. Dabei erfasst sie auch sicherheitstechnische und umweltrelevante Aspekte.
Die Richtlinie wendet sich an Werkstoffhersteller, an Betreiber von Anlagen für die additive Fertigung und an Hersteller von Produkten, die additiv gefertigte Komponenten aus Polymeren einsetzen möchten. Für die Anwender der Technologie sind speziell die veröffentlichten mechanischen Kenndaten der additiv gefertigten Bauteile interessant. Sie beschreiben den aktuellen Stand der Technik und ermöglichen es den Konstrukteuren, die mechanischen Eigenschaften der additiv gefertigten Bauteile aus Kunststoff bereits bei der Produktplanung zu berücksichtigen.
Herausgeber der Richtlinie VDI 3405 Blatt 1 Additive Fertigungsverfahren, Rapid Manufacturing; Laser-Sintern von Kunststoffbauteilen; Güteüberwachung ist die VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik. Die Richtlinie ist ab sofort als Entwurf in deutscher Sprache beim Beuth Verlag in Berlin zu einem Preis von 70,10 Euro erhältlich. Die Einspruchsfrist endet am 28. Februar 2013. Onlinebestellungen sind unter www.vdi.de/richtlinien und www.beuth.de möglich.
- www.vdi.de
Gütegemeinschaft Reinigung von Fassaden e.V.GRM
GRM-Forum in Nürnberg – GRM feiert 25-jähriges Bestehen
Die RAL Gütegemeinschaft Reinigung von Fassaden e.V. (GRM) ist ein freiwilliger Zusammenschluss von führenden Dienstleistungsunternehmen, die ihren Kunden eine fachgerechte und qualitativ hochwertige Fassadenreinigung bieten. Die GRM feiert 2013 ihr 25-jähriges Bestehen am 27. und 28. Februar in ihrer Gründungsstadt Nürnberg.
Die Veranstaltung wird am 27. Februar mit einer geselligen und unterhaltsamen Abendveranstaltung eröffnet, wobei das Rahmenprogramm einige Überraschungen bieten wird. Das am 28. Februar stattfindende GRM-Forum beinhaltet eine Vortragsveranstaltung und Podiumsdiskussion zum Thema Netzwerkgedanke.
Das Forum wird einerseits einen Rückblick auf die erfolgreichen letzten 25 Jahre der gütegesicherten Metallfassadenreinigung werfen und zum anderen einen Ausblick in die Zukunft der GRM wagen. Im Rahmen der Podiumsdiskussion erörtert die Gesprächsrunde, bestehend aus Lack- und Reinigungsmittelherstellern, Sachverständigen, Fassadenherstellern, Vertretern der Beschichtungsindustrie und der GRM, die Gütesicherung im Lichte des Netzwerkgedankens. Laut Gerhard Wilke, Vorstandsvorsitzender der GRM, freut sich die Güte-
gemeinschaft auf viele interessante Gespräche und Diskussionen im Jubiläumsjahr zu den Themen Gütesicherung und Netzwerke.
Weitere Informationen zum GRM-Forum und zur GRM sind auf der Homepage der Gütegemeinschaft zu finden.
DGO-Bezirksgruppe Thüringen
Rückblick 2012 und Vorschau 2013 der DGO-Bezirksgruppe Thüringen
Im Dezember 2012 fand im Hotel Tanne in Ilmenau die Jahresabschlussveranstaltung der DGO-Bezirksgruppe Thüringen unter Leitung des amtierenden Bezirksgruppenleiters Jens Heinze statt. Im ersten Teil der Veranstaltung wurden die Aktivitäten des zurückliegenden Jahres ausgewertet. Besonders hervorgehoben wurden dabei die gute Beteiligung und aktive Diskussion der Fachkollegen aus Industrie, Wissenschaft und Studentenschaft bei den angebotenen Vorträgen.
Im Anschluss folgte der Ausblick auf die Aktivitäten im Jahr 2013, bei denen wieder interessante Themen bei den Treffen der DGO-Bezirksgruppe Thüringen vorgesehen sind. Beim ersten Treffen am 22. Januar wird Dr. Geitner über das Umweltforum in Witten-Herdecke berichten und Herr Pofalla informiert über die Möglichkeiten der dekorativen 3-wertigen Verchromung. Weitere Themen für 2013 sind die Ausbildungs- und Forschungsschwerpunkte auf dem Gebiet der Elektrochemie und Galvanotechnik an der Technischen Universität Ilmenau sowie REACh und die möglichen Folgen.
Auch auf das am 28. Februar stattfindende Leipziger Fachseminar, eine Gemeinschaftsveranstaltung der Bezirksgruppen Sachsen und Thüringen, wurde hingewiesen. In der anschließenden Diskussion kamen weitere Themenvorschläge zur Sprache, die es zeitlich in den Veranstaltungsrahmen einzuordnen gilt.
Nach Abschluss der Vorschau wurde die Jahresabschlussveranstaltung in gemütlicher Runde fortgesetzt mit Gesprächen in weihnachtlicher Umgebung.
Jens Heinze bedankte sich am Ende der Veranstaltung bei den anwesenden Fachkollegen und bei seinen zwei Stellvertretern für die aktive Mitarbeit bei der inhaltlichen Gestaltung der DGO-Bezirksgruppenveranstaltungen.Dr. Kutzschbach/dir