Bericht zum 125. Jubiläum der SEA - Surface Engineering Association
Die Surface Engineering Association (SEA) mit Sitz in Birmingham ist vor 125 Jahren als Verband für Unternehmen und Betriebe, die sich mit der Bearbeitung von Edelsteinen und der Herstellung von Schmuck befassen, gegründet worden. Heute ist die SEA der Dachverband für Unternehmen im Bereich der Oberflächentechnik für die gesamte Industrie. Der Verband ist in zahlreichen britischen und EU-Ausschüssen und in Arbeitsgruppen vertreten, in denen die Gesetzgebung, Standards und Wirtschaftsstrategien diskutiert und bearbeitet werden. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, die Mitglieder des Verbandes stets über die neuesten und über künftige Rechtsvorschriften mit Auswirkungen auf die Mitgliedsunternehmen zu informieren.
In regelmäßigen Treffen, Konferenzen und Seminaren besteht die Möglichkeit, mit Unternehmen aus dem Bereich der Oberflächenbehandlung, mit Herstellern und Lieferanten von Verfahren sowie den Kunden der Beschichter in Verbindung zu treten, um Fragen von gemeinsamem Interesse zu diskutieren. Die Vorteile für die Mitglieder des SEA reichen von technischer und kaufmännischer Beratung bis hin zu engen wirtschaftlichen Beziehungen. Die SEA nimmt auch Aufgaben im Sinne einer Berufsgenossenschaft für die Weiterentwicklung der Oberflächentechnik im Maschinenbau wahr. Die Mitgliedschaft steht für alle Branchen – von Lieferanten bis hin zur Beschichtung, Applikatoren und Wärmebehandler – offen.
Konkrete Dienstleistungen der SEA sind beispielsweise:
- Beratung im Hinblick auf Fragen zu Steuer, Mehrwertsteuer, Lohnsteuer und Beschäftigungsverhältnissen;
- Beratung zu kommerziellen Versicherungen, speziell für die Oberflächentechnikbranche, wobei auf vertragliche Vereinbarungen zu Versicherungsgesellschaften zurückgegriffen werden kann;
- Bereitstellung von AGB-Standards;
- Erarbeitung von Wirtschaftsberichten mit Trendreports, bei der in breitem Umfang auf statistische Informationen verschiedener Ministerien zurückgegriffen werden kann.
Vor allem durch die sich verschärfende Gesetzgebung im Bereich des Umweltschutzes kann die SEA für ihre Mitgliedsbetriebe durch die guten Kontakte zu den Gesetzgebungsorganen erhebliche Unterstützung leisten. Dazu zählen zum Beispiel Verbindungen zum House of Lords, durch die Diskussion mit Abgeordneten, Kollegen und Vertretern aus Ministerien relativ einfach möglich werden. Darüber hinaus bestehen Verbindungen über IPPC-Gespräche mit der Europäischen Kommission, DEFRA, SEPA, dem Umweltbundesamt und der Scottish Executive.
Jubiläumsveranstaltung im House of Lords
Die guten Verbindungen zu Mitgliedern der britischen Regierung zeigen sich auch daran, dass die Festveranstaltung zum 125. Jubiläum der SEA am 19. Oktober 2012 in den Räumen des House of Lords stattfinden konnte. Annähernd 100 Teilnehmer waren der Einladung nach London gefolgt, unter anderem war auch die Dr.-Ing. Max Schlötter GmbH & Co. KG durch Dr. Stephanie Geldbach vertreten. Im Rahmen der Veranstaltung wurden die SEA-Awards vergeben, die nicht nur in der Branche, sondern vor allem auch von den Kunden der SEA-Mitglieder anerkannte Auszeichnungen sind. Übergeben wurden die Preise von Lord Hoyle of Warrington, der sich dazu wie folgt äußerte: In diesen schwieriger werdenden Zeiten ist es eine besondere Auszeichnung für die gesamte Branche, wenn Unternehmen fortwährend Anstrengungen leisten, um noch bessere Qualität zu liefern, neue Verfahren zu entwickeln, die Umwelt noch besser zu schützen oder ihren Mitarbeitern einen besseren Arbeitsplatz zu sichern. Unterstützt wurde Lord Hoyle of Warrington von der Ehrenpräsidentin Linda Evans MBE, die für ihre Arbeit für die Industrie in Großbritannien bekannt ist.
Zwei der zu vergebenden Auszeichnungen gingen an Poeton Industries. Den Preis für Forschung und Entwicklung erhielt Poeton Industries für das Verfahren zur Weinsäure-Schwefelsäure-Anodisation, das vor allem für die Luft- und Raumfahrt als Alternative zur bisher üblichen Chromsäureanodisation Anwendung findet. Hier hat das Unternehmen die Vermarktung durch entsprechende Aktivitäten auf seiner Homepage, Werbeflyer und die Teilnahme an der Ausstellung in Farnborough vorangetrieben. Deshalb ging auch der Preis für Marketing und Qualität an das Unternehmen, das insbesondere im Bereich der Luft- und Raumfahrt nationale und internationale Zulassungen (BSI, NADCAP) sowie die Standards von 35 Großkunden innerhalb der letzten sechs Jahre erfüllen konnte. In einem eigens errichteten Forschungs- und Entwicklungszentrum für Beschichtungen mit ISO- und BSI-Zulassung werden Tests auf zahlreichen Grundmaterialien und mit den unterschiedlichsten Werkstoffpaarungen durchgeführt. Fünf der hier beschäftigten Mitarbeiter besitzen den Qualitätslevel Six Sigma Green Belt. Zudem werden hier seit vielen Jahren qualifizierte Arbeitskräfte ausgebildet.
Der Umweltpreis ging an Storetec für die umweltfreundlichste Verzinkerei in Großbritannien. Das Unternehmen ist sowohl für Privat- als auch für Industriekunden tätig. Für sein Engagement anlässlich der Olympischen Spiele in London wurde das Unternehmen Anopol, das sich mit der Oberflächenbehandlung von Edelstahl befasst, mit dem Preis für besonders erfolgreiche Unternehmen ausgezeichnet. Für seine fachübergreifenden Bemühungen, die Branche in Ausschüssen und öffentlichen Medien positiv darzustellen, wurde der Vorsitzende von Anopol, John Swain, mit dem Ray Alford Award ausgezeichnet. John Swain hat Anopol gegründet und ist dort seit 43 Jahren tätig.
Internationales Interesse – Entwicklung und Ausbildung
Die Interessen der SEA richten sich nicht nur auf Kontakte und die Entwicklung der britischen Unternehmen. So hatte eine Verbandsdelegation aus zwölf Mitgliedern unter Leitung des Geschäftsführers Dave Elliott vom 22. bis 24. Mai vier Unternehmen in Süddeutschland sowie das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) in Stuttgart besucht. Organisator der Informationsreise war das Ing.-Büro Charlotte Schade in Waldshut-Tiengen.
Auftakt für die Rundreise in Süddeutschland war der Besuch der Holder Oberflächentechnik in Kircheim/Teck, eingeladen von Geschäftsführer Jochen Holder. Die Holder Oberflächentechnik ist einer der großen Zulieferer für die Automobilindustrie, der unter anderem Schichten aus Zink, Zink-Nickel, aber auch spezielle Lackierungen und Nachbehandlungen auf hochwertige Bauteile aufträgt. Zu den neueren Investitionen zählt die vollautomatische Anlage zur Zinklamellenbeschichtung von Achsträgern.
Der zweite Besuch galt der Abteilung Oberflächentechnik im Werk Augsburg der Premium Aerotec GmbH. Das Unternehmen verfügt über eine neue Anlage zur Anodisation in einer Mischung aus Wein- und Schwefelsäure von Bauteilen bis etwa acht Metern Länge, also das Verfahren, für das die Poeton Industries zum 125. Jubiläum der SEA ausgezeichnet wurde. Für dieses Verfahren hat die Premium Aerotec vor kurzem eine neue Anlage eingerichtet. Neben der Anodisation sind der Abteilung eine umfangreiche Prüfabteilung sowie eine Lackiererei und Montagebereiche angegliedert. Abschließend konnten die SAE-Vertreter einen Blick in die beeindruckende Montagehalle für Flugzeugkomponenten werfen.
Fortgesetzt wurde die Tour wurde mit einer Besichtigung der Thoma Metallveredelung GmbH in Heimertingen. Dr. Malte-Mathias Zimmer stellte das vielfältige Leistungsprogramm des Unternehmens und vor allem die Entwicklungen im Bereich Umweltschutz und Energieeffizienz vor. Hier fand insbesondere die neue Anlagentechnik zur hocheffizienten Beschichtung mit chemisch abgeschiedenem Nickel und galvanisch abgeschiedenem Hartchrom großes Interesse. Aber auch die Entwicklungen zu REACh im Hinblick auf sechswertiges Chrom wurden nachhaltig und heftig diskutiert. Dr. Zimmer rundete seine Ausführungen mit der Besichtigung der Beschichtungsanlage und der Einrichtungen zur Energieeinsparung ab. Hier hat es die Thoma Metallveredelung geschafft, die Energieausbeute bei der chemischen Beschichtung mit Nickel und der Hartverchromung auf mehr als 90 Prozent zu steigern, wogegen bei der klassischen Verfahrenstechnik maximal 30 Prozent der eingesetzten Energie in die Beschichtung selbst gehen.
Als weiterer Programmpunkt stand der Besuch der IMO GmbH in Königsbach-Stein an. IMO ist einer der großen Beschichter von elektrischen und elektronischen Kontakten, die in der Regel als Halbzeug in Metallbänder gestanzt und gebogen vorliegen. Hierfür kommen vor allem die Edelmetalle Gold, Silber und Palladium als ideale Kontaktwerkstoffe in Betracht, die aber auf Grund des hohen Materialpreises sehr effizient eingesetzt werden müssen. Dafür stehen bei IMO zahlreiche selbst entwickelte und hergestellte Vollautomaten zur Verfügung. Hochqualifizierte Mitarbeiter und umfangreiche Prüf- und Überwachungsverfahren garantieren hier die erforderliche maximale Qualität, zumal die produzierte Stückzahl in Millionen bemessen wird.
Zum Abschluss der Informationsreise führte Dr. Martin Metzner, Leiter der Abteilung Galvanotechnik am Fraunhofer-IPA, die SEA-Mitglieder durch die verschiedenen Laborräume zur Entwicklung und Untersuchung von Beschichtungsverfahren und Beschichtungsanlagen und erläuterte die hier durchgeführten Arbeiten. Am IPA werden vor allem die weitreichenden Entwicklungen zur Abscheidung von Hartchrom, die Abscheidung aus ionischen Flüssigkeiten sowie die Abscheidung von Schichten für Dünnschichtsolarzellen in den dafür entwickelten, speziellen Anlagen durchgeführt. Darüber hinaus wurden aber auch viele Fragen zu den derzeit wichtigen Themen REACh und der Ausbildung von Fachkräften im Bereich Galvanotechnik diskutiert.
Das Interesse der SEA an der Art und Durchführung der Ausbildung in Deutschland konnte das Ingenieurbüro Schade in einem ausführlichen Einblick in die Aus- und Weiterbildung von technischen Fachkräften befriedigen. Insbesondere standen die Ausbildungsmöglichkeiten von Galvanikfachleuten in Deutschland zur Diskussion. Hier lag ein besonderer Schwerpunkt des Interesses der SEA-Mitglieder, da diese im Bereich Aus- und Weiterbildung dringenden Verbesserungsbedarf in Großbritannien sehen.
Die geknüpften Kontakte nach Großbritannien sollen nach Aussage von SEA-Geschäftsführer Dave Elliott und den Teilnehmern der Informationsreise in Zukunft vertieft werden. Vor allem im Bereich Aus- und Weiterbildung zeigten die Kollegen aus unserem Nachbarland hohes Interesse, das durch weitere Besuche und rege Zusammenarbeit bedient werden soll.
Surface Engineerin Association SEA,
Federation House, 10 Vyse Street,
Birmingham B18 6LT


Veranstaltungsort: House of Lords im britischen Parlament in London


Marketing- and Quality Award für Poeton Industries; (v.l.n.r.) Paul Griffiths (Schlötter Co. Ltd.), Lord Hoyle of Warrington, Lyndon Follows (Poeton Industries)

Environmental Award für Storetec Ltd.; (v.l.n.r.) Lord Hoyle of Warrington, Jason Dyche und Wayne Asher (Storetec Ltd.)

Outstanding Company Achievement Award für Anopol Ltd.; (v.l.n.r.) Stephen Price (Stephen
Price Designs Ltd.), Lord Hoyle of Warrington, David Cass (Anopol Ltd.)

Ray Alford Individual Achievement Award für John Swain; (v.l.n.r.) Su Chadda (Sumari Business Systems, Lord Hoyle of Warrington, John Swain (Anopol Ltd.)

Anthony Poeton (re.) und Lyndon Follows von Poeton Industries Ltd.


Die Mitglieder der SEA-Delegation bei der Thoma Metallveredelung in Heimertingen