Die Thüringer Wald-Batterie

Werkstoffe 07. 12. 2025
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Nachhaltige Batterien aus Nebenprodukten der Holzindustrie

Angesichts des wachsenden Bedarfs an Energiespeichern für die Energiewende sind kostengünstige, sichere und ressourcenschonende Batterietechnologien dringend erforderlich. Natriumionenbatterien auf Basis lokal verfügbarer und umweltfreundlicher Materialien bieten hier einen vielversprechenden Ansatz. Fraunhofer-Forschende und ihre Projektpartner nutzen Lignin – ein Nebenprodukt der Holz- und Zellstoffindustrie – als Bestandteil eines Natriumionen-Batteriesystems.

Das Biopolymer Lignin ist ein Hauptbestandteil von Holz und verleiht diesem seine Stabi­lität. Als Koppelprodukt der Papierindustrie wird es bisher zur Energieerzeugung verbrannt. Forschende des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena – beide Partner des Center for Energy and Environmental Chemistry (CEEC) – haben jetzt eine bessere Idee: Im vom Freistaat Thüringen und dem Europäischen Sozialfonds geförderten Projekt ThüNaBsE (Thüringer Natrium-Ionen-Batterie für die skalierbare Energiespeicherung) entwickeln und evaluieren die Partner eine neuartige Natri­umionenbatterie mit Lignin – vom ­Material bis hin zur 1-Ah-Vollzelle. Damit soll ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Unabhängigkeit von kritischen Rohstoffen und zur Wende hin zu günstigeren, nachhaltigeren und sicheren Batterien geleistet werden. Das Vorhaben wird von einem Industriebeirat von überwiegend regionalen Firmen begleitet. Dazu gehören die Thüringer Unter­nehmen Mercer Rosenthal GmbH, Glatt Ingenieurtechnik GmbH, IBU-tec advanced materials AG und EAS Batteries GmbH sowie die Petrochemical Holding GmbH aus Wien. Ein weiteres Ziel des Projekts ist es, Nachwuchsforschende in Thüringen zu fördern. Daher sind an ThüNaBsE eine Reihe junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt, die in den Themenfeldern Energie und Batterieforschung promovieren.

Lignin: vom Nebenprodukt zum Wertstoff

Lignin besteht hauptsächlich aus Kohlenwasserstoffbausteinen, die sich sinnvoll in der Chemie verwenden lassen – etwa als Elektrodenmaterial für Batterien. Im Projekt soll der biobasierte Rohstoff für die negative Elektrode genutzt werden. Wir wollen in der Wertschöpfungskette auf kritische Metalle wie Lithium, Kobalt und Nickel in Batterien verzichten. Zudem möchten wir den Fluoranteil in Elektroden und Elektrolyt möglichst niedrig halten und erproben, inwiefern er sich komplett vermeiden lässt, sagt Dr. Lukas Medenbach, Wissenschaftler am Fraunhofer IKTS in Arnstadt, dem Tor zum Thüringer Wald. Kern des Vorhabens ist aber die Verarbeitung von lokal verfügbarem, hochwertigem Lignin zu leistungsfähigen Elektroden in unseren Natri­umionenbatterien.

Hard Carbon, gewonnen aus Lignin, einem Nebenprodukt der Holzindustrie, bildet die Basis für die Elektrode der Thüringer Wald-Batterie (© Fraunhofer IKTS)

 

Das Lignin wird von der Mercer ­Rosenthal GmbH zur Verfügung gestellt und ­unter Luftausschluss thermisch in Kohlenstoff umgewandelt, der dann zur Elektrode weiter­verarbeitet wird. Unsere Projektpartner vom Institut für technische Chemie und Umweltchemie der Friedrich-Schiller-­Universität Jena um Prof. Martin Oschatz verarbeiten das Lignin durch thermische Prozesse zu sogenanntem Hard Carbon weiter, erläutert Dr. Medenbachs Kollege Dr. Cornelius Dirksen.Die Struktur dieses harten Kohlenstoffs eigne sich sehr gut, um Natriumionen reversibel, also umkehrbar, zu speichern. Hard Carbon biete eine hohe elektrochemische Leistung, gute Zyklenstabilität und geringe Anschaffungskosten, insbesondere wenn er aus nachhaltigen Rohstoffen gewonnen werde, so Dr. Dirksen. Als Material für die positive Elektrode sollen Berliner-Blau-Analoga, also ungiftige Eisenverbindungen, zum Einsatz kommen. Die Substanz, die bereits vor circa 200 Jahren als Pigment eingesetzt wurde, zeichnet sich durch eine gute Rohstoffverfügbarkeit, Umweltverträglichkeit und Natriumionen-Speichereigenschaften aus.

Aktuell werden im Batterietestzentrum des Fraunhofer IKTS in Arnstadt, am ­Fraunhofer IKTS in Hermsdorf und an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena erste Kleindemonstratorzellen gebaut und getestet. Begleitet werden die Laborarbeiten von realitätsnahen, multiphysikalischen Simulationen. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Die Laborzelle ist nach 100 Lade- und Entladezyklen noch nicht stark degradiert. Ziel ist es, zum Projektabschluss 200 Lade- und Entladezyklen für die 1-Ah-Vollzelle nachzuweisen, so Dr. Medenbach.

Die fertig entwickelte Batterie könnte als stationärer oder mobiler Speicher dort eingesetzt werden, wo keine schnellen ­Ladezeiten erforderlich sind. Die Lignin-basierten Natriumionenbatterien eignen sich beispielsweise für mobile Anwendungen mit ­geringerem Leistungsbedarf, wie etwa Microcars (45-km/h-Autos) oder Flurförderfahrzeuge wie Gabelstapler. Nach Projektabschluss soll die Technologie weiter skaliert und unter Einbeziehung eines noch größeren Konsortiums der Weg zu den nächsten Technologiereifegraden eingeschlagen werden.

Text zum Titelbild: Kontaktieren einer Pouchzelle mit Elektrodenmaterialien aus dem ThüNaBsE-Projekt (© Fraunhofer IKTS)

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