Produktentwicklung mit Formgedächtnislegierungen

Werkstoffe 07. 05. 2017
  • Autoren dieses Artikels
  • 866x gelesen
Neue Richtlinie VDI 2248 Blatt 1 beschreibt die Grundlagen und bereits realisierte Anwendungen der Formgedächtnistechnologie

Antriebselemente auf Basis von Form­gedächtnislegierungen bieten neue technische Möglichkeiten, die herkömmlichen Lösungen bei Gewicht, Größe, Funktionalität und Leistungsdichte deutlich überlegen sind. Sie stellen schon heute in vielen Branchen eine Schlüsseltechnologie mit innovativen Anwendungsfeldern dar, wie zum Beispiel in der Automobilindustrie, in der Medizin- und Umwelttechnik, oder bei Mikrokameras für Smartphones. Die neue Richtlinie VDI 2248 Blatt 1 beschreibt die Grundlagen und bereits realisierte Anwendungen und definiert eine einheitliche Terminologie im gesamten Bereich der Formgedächtnistechnologie.

Feinwerktechnische Systeme verlangen nach immer kleineren Antrieben. Die Mini­aturisierbarkeit von herkömmlichen Antrieben, wie beispielsweise Elektromotoren, hat jedoch ihre Grenzen erreicht. Eine Alternative zu herkömmlichen Antrieben stellen in diesem Sinne Formgedächtnislegierungen (FGL) dar. FGL können sich nach einer Verformung an ihre zuvor eingeprägte Ursprungsform erinnern. Die Ausgangsform wird dabei vorab durch einen Glühprozess eingeprägt. Neben der kleinen Baugröße und des einfachen Aufbaus bieten FGL noch den Vorteil des geringen Gewichts, der Reinraumtauglichkeit und der sehr guten elektromagnetischen Verträglichkeit. Für den Einsatz in der Feinwerktechnik bietet diese Antriebstechnologie deshalb optimale Voraussetzungen.

Die Richtlinienreihe VDI 2248 unterstützt den Anwender bei der werkstoff­lichen Auslegung und funktionalen Gestaltung technischer Lösungen mit FGL. Das ebenfalls im Januar erschienene Blatt 2 dient der Werkstoffauswahl bei der Anwendung von FGL. Sie bietet Entwicklern, Herstellern und Anwendern von elektronischen Bauteilen einen Überblick über FGL, die zugehörigen Herstellverfahren sowie Festlegungen im Bereich der Legierungsnomenklatur.

Die VDI-Gesellschaft Produkt- und Pro­zessgestaltung (GPP) veröffentlicht im Laufe des Jahres 2017 noch drei weitere Blätter der Richtlinie zu den Themen Prüf- und Messmethoden, Simulation und Modellentwicklung sowie Regeln und Beispiele für die Entwicklung von Aktoren.

Zielgruppe der Richtlinie sind branchen­übergreifend Produktplaner und Produkt­entwickler in Produktionsunternehmen, ebenso wie Anbieter entsprechender Werkstoffe, Prüfinstitute und Konstruk­tionsdienstleister.

Herausgeber der Richtlinie VDI 2248 Blatt 1 Produktentwicklung mit Formgedächtnislegierungen (FGL); ­Grundlagen und Anwendungsbeispiele sowie Blatt 2 Werkstoffauswahl und Nomenklatur ist die GPP. Die Richtlinien sind ab sofort als Entwürfe zum Preis von 62,60 Euro (Blatt 1) beziehungsweise 77,80 Euro (Blatt 2) beim Beuth Verlag (www.beuth.de) erhältlich. VDI-Mitglieder erhalten zehn Prozent Preisvorteil bei allen VDI-Richtlinien.

Die Möglichkeit zur Mitgestaltung der Richtlinien durch Stellungnahmen besteht durch Nutzung des elektronischen Einspruchportals. Die Einspruchsfrist endet am 30. April 2017.

  • www.vdi.de
 

Relevante Unternehmen

Video(s) zum Thema

Werbepartner

Links zu diesem Artikel

Aus- und Weiterbildung

Top