Nachhaltigkeit ist oberste Priorität

Werkstoffe 10. 08. 2013

Vor Kurzem meldete sich der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg und heutige EU-Kommisar Günther Oettinger wieder einmal zu Wort. Er bewertete das Fracking zur Gewinnung von Erdgas, wie es für den Bodenseeraum derzeit in der Diskussion steht, als erstrebenswert. Schließlich sind seiner Meinung nach die deutschen Ingenieure durchaus in der Lage, dieses umstrittene Verfahren sicher zu betreiben und die Technologie würde Deutschland helfen, sich von Gasimporten etwas unabhängiger zu machen. Die hierfür eingesetzten Chemikalien zum Aufbrechen und Freisetzen von Erdgas stellen ihm zufolge keine Gefahr für die Bevölkerung dar (Quelle: Südwestpresse).

Es mutet schon etwas seltsam an, dass Herr Oettinger mit seiner Aussage den Bemühungen der Europäischen Union der letzten Jahre zur Einsparung von Primärenergie und dem verstärkten Einsatz von regenerativen Energien so deutlich widerspricht. Allein schon die Tatsache, dass es sich bei Erdgas ebenso wie bei Erdöl um ein Produkt handelt, das nur in begrenztem Maße verfügbar ist, zeigt, dass damit nur eine kurzfristige Lösung des Energieproblems möglich ist. Zeitgemäß sind langfristige Lösungen, die keine Gefahren für die Umwelt darstellen. Dazu zählen in erster Linie Sonnen- oder Windenergie. Selbst Geothermie wird, zumindest bei den in Zentral-
europa bestehenden geologischen Verhältnissen, zunehmend in Frage gestellt; ausgelöst durch die in der Region Freiburg verursachten Hebungen infolge des Aufquellens von Gipsschichten oder dem vor kurzem stattgefundenen Erdbeben in der Region St. Gallen in der Schweiz aufgrund von Bohrungen. Ideen und Entwicklungen sollten deshalb besser auf neue Speichertechnologien und effizientere Verfahren zur Energieverwendung ausgerichtet sein. Dazu können neue Werkstoffe und Oberflächentechnologien beitragen. In der vorliegenden Ausgabe der WOMag werden Ansätze hierzu vorgestellt.

Selbstverständlich spricht nichts dagegen, auf die Fähigkeiten deutscher Ingenieure zu setzen, um Günther Oettinger wenigstens hier in seinen Ansichten zu bestätigen. Schließlich tragen deutsche Fachleute in hohem Maße zur guten wirtschaftlichen Situation der deutschen Unternehmen bei. Selbst viele europäische Mitgliedsstaaten beneiden uns um diese Situation. Dazu wird im Teil Beruf + Karriere (Seite 44ff) ein Einblick in die Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich Oberflächentechnik geboten – vielleicht lässt sich der eine oder andere Nachwuchstechniker, der sich noch für keine Berufsrichtung entscheiden konnte, davon überzeugen, dass der Bereich Werkstoffe und Oberflächen interessant und zukunftsträchtig ist.

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