Die österreichische Unternehmensgruppe Kapsch hat gemeinsam mit Extremsegler Norbert Sedlacek ein neues Verlegeverfahren für Hochleistungsfasern von Halbzeugen und Gelegen für Kompositwerkstoffe entwickelt. Das Unternehmen will damit ein Produkt anbieten, das es in der Form am Markt noch nicht gibt. Zu diesem Zweck hat Kapsch gemeinsam mit der Yacht Construction Consulting die Firma Fipofix gegründet. Kapsch hält 80 Prozent an dem Start-up und hat in der ersten Projektphase eine Million Euro zur Verfügung gestellt.
Faserstränge schonender behandelt
Insbesondere in der Schifffahrt soll die neue Verlegetechnik künftig ihre Anwendung finden. Das so genannte Fipofix-Verfahren ermöglicht eine besonders schonende Verarbeitung von Fasersträngen (Rovings) und wurde speziell für die Verarbeitung von mineralischen Vulkansteinfasern entwickelt, kann aber auch für andere Fasern angewendet werden. Bei der Fertigung von Kompositwerkstoffen ist das unbeschädigte Verlegen die anspruchsvollste Herausforderung.
Bis zu 40 Prozent der Filamente eines Faserstrangs werden bei den bisherigen Methoden wie Weben, Tackern oder Nähen verletzt. Daraus ergeben sich Leistungseinbußen bei Druck- und Zugbelastungen. Fipofix verklebt hingegen die aufgelegten Fasern mit der jeweiligen Matrix für die Endverarbeitung der Gelege und verzichtet so zusätzlich auf schwächende Fremdmaterialien zur Fixierung, darunter Garne, Klammern oder andere Kleber. Das Unternehmen hat das Verfahren speziell für die ASA.TEC-Vulkanfaser entwickelt, da für diesen Werkstoff vor allem in der Nautik großes Potenzial gesehen wird. Die mineralische Vulkanfaser ist säurefest, temperatur- und UV-beständig sowie zu 100 Prozent recyclingfähig. Nicht zuletzt deshalb eignet sie sich ideal für die Anwendung im nautischen Bereich.
Doppelte Atlantiküberquerung als Beweis
Kari Kapsch, COO der Kapsch-Gruppe, glaubt an die Zukunftsfähigkeit dieser neuen Technologie. Strategische Partnerschaften sind nach seinen Worten im Innovationsprozess eine nicht zu vernachlässigende Größe. Die langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit Norbert Sedlacek eröffnet ihm die Möglichkeit, ein ganz neues Geschäfts- und Technologiefeld zu evaluieren. Das Patent für das Verfahren liegt bei Kapsch. Erster Einsatzbereich nach der Verfeinerung und Automatisierung des Verfahrens soll der Bau von nautischen Sportgeräten und Booten sein. Eine Ausweitung auf andere Märkte ist aber in einem weiteren Schritt möglich.
Um die Qualität des Verfahrens und des Werkstoffs unter Beweis zu stellen, will Sedlacek im Zuge des so genannten Proof-of-Principal-Projekts mit einer nur fünf Meter langen Rennyacht den Atlantik zweimal überqueren – im Alleingang. Für ihn persönlich ist diese Rekordfahrt mit dem großartigen kleinen Boot die ultimative Herausforderung für Mensch und Maschine.
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Text zum Titelbild: Kapsch und Fipofix präsentieren neue Technologie für die Nautic / Bildquelle: Anna Rauchenberger, Kapsch AG
Kapsch zählt zu den erfolgreichsten Technologieunternehmen Österreichs mit globaler Bedeutung in den Zukunftsmärkten Intelligent Transportation Systems (ITS), Railway und Public Operator Telecommunications sowie Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Zur Kapsch-Gruppe zählen die drei Schlüsselgesellschaften Kapsch TrafficCom, Kapsch CarrierCom und Kapsch BusinessCom. Als Familienunternehmen mit Sitz in Wien steht Kapsch seit mehr als 100 Jahren für die konsequente Entwicklung und Implementierung neuer Technologien zum Nutzen seiner Kunden. Mit einer Vielfalt von innovativen Lösungen und Dienstleistungen leistet Kapsch einen wesentlichen Beitrag zur verantwortungsbewussten Gestaltung einer mobilen und vernetzten Welt. Die Unternehmen der Kapsch-Gruppe beschäftigen in ihren weltweiten Niederlassungen und Repräsentanzen rund 5000 Mitarbeiter.