Eines der vermutlich nachhaltigsten Ereignisse des Jahres fand bei der Galvanotechnik Baum GmbH in Unterheinsdorf in Sachsen statt. So war es dem Geschäftsführer Nicolai A. J. Baum gelungen, die Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel in den kleinen Ort direkt an der A72 zwischen Plauen und Zwickau einzuladen. Begleitet wurde die Bundeskanzlerin vom sächsischen Ministerpräsident Stanislaw Tillich, was die Bedeutung des Ereignisses zusätzlich unterstrich. Gefeiert wurde 35 Jahre GtBaum GmbH, 20 Jahre GtBaum in Zwönitz und 5 Jahre Galvanotechnische Oberflächen (GtO) in Heinsdorfergrund. Dass es sich hierbei um eine außergewöhnliche Veranstaltung handelte, belegte der große Andrang an Medien – neben ZDF und regionalen war auch ein italienischer Fernsehsender sowie mehr als 50 Journalisten der Tages- und die WOMag-Redaktion als Fachpresse geladen – sowie die mehr als 600 Gäste aus Industrie, Verbänden und öffentlichen Einrichtungen. Die Bundeskanzlerin zeigte sich sehr interessiert. Zum Teil ist das mit Sicherheit eine der Herausforderungen für gute Politiker, zum Teil kommt aber auch ihre eigentliche Profession als Physikerin zu Tage. In ihrer Rede vermittelte sie auf jeden Fall den Eindruck, dass sie verstanden hat, wo die Aufgaben und auch die besonderen Leistungen der Galvano- und Oberflächentechnik liegen. Es wäre schön, wenn die Bundeskanzlerin ihre sicher positiven Eindrücke an anderer Stelle anbringen und dadurch den Unternehmen in der Oberflächentechnik einen guten Dienst erweisen würde.
In einem anderen Bereich ist die Galvanotechnik ebenfalls in der Politik angekommen –
allerdings in einem deutlich schwierigeren Umfeld, das bei allen Betroffenen eine besorgte Miene anstelle eines überzeugten Eindrucks hinterlässt. Wie Dr. Zimmer in seiner Rubrik in der WOMag (S. 40) mitteilt, wurde am 12. März 2013 vom Komitee für Sozio-ökonomische Analysen der ECHA (SEAC) das Dokument über die Beurteilung zur Durchführung der Autorisierung, beispielsweise zum Umgang mit Stoffen wie Chromtrioxid (Grundbestandteil von galvanischen Chromschichten) veröffentlicht. Der genaue Titel lautet: How the
Committee for Socio-Economic Analysis will evaluate economic feasibility in applications for authorisation. Die hiervon betroffenen zahlreichen kleinen und mittleren Unternehmen werden allein schon mit dem Inhalt Mühen haben, da er nicht nur in Englisch abgefasst ist, sondern es sich auch noch um Beamten- und Juristenenglisch handelt. Darüber hinaus werden die Fachleute, die keine Probleme mit der Sprache haben, vergeblich nach gut verständlichen Hilfestellungen zur Durchführung der Autorisierung suchen. Hier endet also bereits wieder die Unterstützung des von der Bundeskanzlerin in ihrer Rede gelobten Mittelstandes. Zum Trost: REACh mit allen seinen angehängten Behörden und Dienststellen unterstehen dem Europäischen Parlament – Angela Merkel ist hier also vollkommen unschuldig!